Wie fängt man an? Eine Reise durch die Regale und Etiketten

Wie fängt man an? Eine Reise durch die Regale und Etiketten

*Gründerstory · Teil 2 · Wie kattuno entsteht*

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Wenn man eine Marke für Katzenfutter aufbauen will, würde man vermuten, der erste Schritt sei ein großer Plan. Eine Excel-Tabelle. Ein Pitch Deck. Ein Termin bei einem Hersteller.

In Wahrheit fing es bei mir anders an. Es fing mit einer Frage in ein Chatfenster.

## Die erste Recherche war eine Unterhaltung mit einer KI

Ich wollte wissen: Was sollte eigentlich in ein gutes Katzenfutter hinein – und was nicht? Welche Inhaltsstoffe sind sinnvoll, welche überflüssig, welche vielleicht sogar schädlich? Ich hätte auch in ein Buch schauen können oder beim Tierarzt nachfragen. Aber es war später Abend, ich hatte Zeit, und eine KI ist ein guter Sparringspartner, wenn man anfängt, sich in ein Thema hineinzudenken.

Was ich dabei lernte, überraschte mich weniger, als es mich ernüchterte. Katzen sind obligate Karnivoren. Sie brauchen tierisches Eiweiß, bestimmte Aminosäuren wie Taurin, Arachidonsäure aus tierischem Fett, Vitamin A in seiner aktiven Form – alles Dinge, die sie aus pflanzlichen Quellen nicht oder nur schlecht gewinnen können. Das ist keine Geheimwissenschaft. Es steht so in den Empfehlungen der europäischen Branchenorganisation FEDIAF und ist unter Tierernährungswissenschaftlern Konsens.

Die Frage, die sich daraus ergibt, ist aber eine andere: Wenn das alles so klar ist, warum sieht man es den Produkten im Regal nicht an?

## Der Moment, in dem aus Neugier Entsetzen wurde

Also ging ich los. In den DM, den Supermarkt, den Fachhandel. Ich stand in Gängen, die ich vorher nie bewusst wahrgenommen hatte. Und ich tat etwas, was ich noch nie getan hatte: Ich drehte jede Packung um und las die Rückseite.

Was ich dort fand, hatte wenig mit dem zu tun, was ich in der KI-Recherche gelesen hatte.

Pauschale Zutatenlisten, bei denen "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse" einen Anteil von drei Prozent haben durfte – ohne dass man erfährt, welches Fleisch und welche Nebenerzeugnisse. Pflanzliche Nebenerzeugnisse, Getreide, Zuckerarten als Füllstoffe in einem Futter für ein reines Raubtier. Aromen, die man einem Lebensmittel eigentlich nur zusetzt, wenn das Grundprodukt nicht überzeugt. Zusatzstoffe, die man erstmal googeln muss. Mischungen aus drei, vier, fünf verschiedenen Tierarten – in einem einzigen Pouch.

Ich bin kein Tierernährer. Ich kann keine Laboranalyse lesen. Aber ich konnte die Schere erkennen zwischen dem, was Katzen brauchen, und dem, was im Regal steht. Und ich konnte das auf Packungen erkennen, auf denen freundliche Katzen abgebildet waren und Worte wie "Premium", "Natur" und "mit Liebe" standen.

Das war der Moment, an dem ich nicht mehr wegsehen konnte.

## Warum es offenbar so wenige gibt, die es besser machen

Die naheliegende Frage war: Wenn das Problem so offensichtlich ist, warum hat es niemand gelöst? Es gibt doch einen Markt. Es gibt doch Menschen, die für ihre Katze das Beste wollen.

Die Antwort liegt, wenn man sich durch Branchenanalysen arbeitet, in der Struktur der Industrie. Katzenfutter ist ein Massengeschäft mit dünnen Margen. Wer in großer Menge produziert, muss billig einkaufen. Wer billig einkaufen muss, greift zu Nebenerzeugnissen, zu Füllstoffen, zu undifferenzierten Proteinmischungen. Was auf der Packung steht, ist oft weniger eine ernährungsphysiologische Entscheidung als eine betriebswirtschaftliche.

Es gibt Ausnahmen. Es gibt sehr gute therapeutische Futter vom Tierarzt, die genau deklariert sind – die aber teuer sind, beratungsintensiv, und für die meisten Katzenhalter nur im Krankheitsfall in Frage kommen. Es gibt einzelne Premium-Marken, die saubere Rezepturen anbieten, oft mit einem hohen Bio-Anspruch. Aber eine Marke, die explizit sagt: *Eine Proteinquelle. Vollständig deklariert. Wissenschaftlich begleitet. Und trotzdem alltagstauglich.* – die habe ich nicht gefunden.

## Die ersten Gedanken zur eigenen Lösung

Ich saß also zwischen zwei Polen. Auf der einen Seite das Mainstream-Regal: günstig, opak, kompromissbehaftet. Auf der anderen Seite die therapeutischen Nischenprodukte: teuer, medizinisch, nichts für den normalen Alltag. Dazwischen – eine Lücke.

Aus dieser Lücke heraus wurden die ersten Prinzipien für kattuno klar. Nicht als fertiges Konzept, sondern als eine Reihe von Entscheidungen, die ich bewusst anders treffen wollte:

**Eine Proteinquelle statt fünf.** Weil Monoprotein ehrlicher ist. Weil Katzen mit empfindlichem Magen es besser vertragen. Weil es Klarheit schafft.

**Vollständige Deklaration statt Sammelbegriffe.** Keine "tierischen Nebenerzeugnisse". Sondern: Wie viel Fleisch, welche Innereien, welche prozentualen Anteile. Was in der Packung ist, steht auf der Packung.

**Wissenschaftliche Begleitung statt Marketing.** Ich wusste von Anfang an, dass ich kein Tierernährer bin. Wenn ich etwas machen wollte, was ernährungsphysiologisch belastbar ist, brauchte ich jemanden, der das prüft. Diese Überzeugung führte später zu echter wissenschaftlicher Beratung – aber das ist eine andere Etappe der Geschichte.

**Modular statt monolithisch.** Nicht ein Futter für alle Fälle, sondern eine Grundlage und darauf aufbauend gezielte Varianten für die häufigsten Bedürfnisse.

## Was ich in dieser Phase nicht wusste

Es wäre nicht ehrlich zu behaupten, dass ich zu diesem Zeitpunkt einen vollständigen Plan hatte. Ich wusste nicht, wie ein Pouch überhaupt hergestellt wird. Ich wusste nicht, was ein Lohnhersteller ist. Ich wusste nicht, wie lange Rezepturen brauchen, bis sie produktionsreif sind, oder dass ein Name, den ich zufällig gut finde, markenrechtlich längst jemand anderem gehören könnte.

Was ich hatte, war ein klares Gefühl dafür, *was nicht geht* – und eine vage, noch unscharfe Vorstellung davon, *was gehen könnte.* Dazu kam das, was man vielleicht als die unterschätzteste Ressource im Unternehmensaufbau bezeichnen darf: der Wunsch, es nicht so zu machen, wie es alle machen.

## Wie es weiterging

Aus diesen Regalbesuchen und Überlegungen entstand nicht sofort eine Marke. Es entstand zunächst eine Liste. Eine Liste mit Fragen, die ich beantworten musste: Wer kann so etwas überhaupt herstellen? Wie finde ich einen Hersteller, der sich auf kleine, hochwertige Chargen einlässt? Wer kann die Rezepturen wissenschaftlich prüfen? Wie sieht eine Packung aus, die zu einer Marke passt, die Klarheit verspricht?

Die Antworten auf diese Fragen haben die nächsten Monate bestimmt. Einige davon waren überraschend einfach. Andere haben mich Wochen gekostet. Manche sind bis heute noch nicht abschließend beantwortet.

Aber sie alle beginnen an dem Ort, an dem diese Geschichte heute endet: im Supermarktgang, mit einer Packung in der Hand, und dem Gedanken – *das muss doch besser gehen.*

*Teil 3 der Gründerstory folgt in Kürze.*

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